| |
Träge Masse GEGEN Vitale Elite
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe) José Ortega y Gasset´s Abhandlung über den Massenmenschen beginnt mit dessen Machtergreifung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während die Völker früherer Jahrhunderte von einer jeweils wechselnden Elite beherrscht wurden, gelang es der sozialistischen Idee in Verbindung mit der Industrialisierung, den Massenmenschen zur herrschenden Macht zu erheben. Gasset unterscheidet strikt zwischen dem Massenmenschen und dem Individuum, wobei er –anders als der Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon- nicht davon ausgeht, dass der Einzelne in der Masse zum Massenmenschen WIRD. Vielmehr IST man das eine -oder das andere.
Der Massenmensch produziert sich Tag für Tag neu -so wie er ist- wie ein Abziehbild, das jeden Tag schwächer wird, bis es verblasst. Er verlangt nichts von sich selbst, will nicht über sich hinaus wachsen, sich nicht verändern. Er begnügt sich mit dem, was er ist. Der Massenmensch kann nur durch Gewalt von aussen verändert werden. Von selbst ändert er sich nur, wenn der Schmerz des „status quo“ grösser ist als die Leiden einer Veränderung. Der Massenmensch geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Der Massenmensch schert sich nicht darum, ob etwas richtig ist, gut oder wahr; ihn interessiert das Angenehme. Er ist subjektiv und sich selbst das Wichtigste, er ist asozial und unmenschlich. Die Gedanken des Massenmenschen sind in Wahrheit nur Triebe in logischer Verkleidung. Es gibt nichts Positives am Massenmenschen, alle Errungenschaften der menschlichen Zivilisation sind von Einzelmenschen ausgegangen. Der Massenmensch kann langfristig nur mit Unterstützung des Einzelmenschen überleben, da er sonst an seiner eigenen Dekadenz zugrunde gehen würde, umgekehrt gibt es nichts, was der Elitemensch vom Massenmenschen lernen könnte.
Den Einzelmenschen dagegen kennzeichnet „die innere Notwendigkeit, von sich fort zu einer höheren objektiven Norm aufzublicken, in deren Dienst er sich freiwillig stellt. Er ist in der Lage, Dinge zu akzeptieren, die über ihm stehen. Er hat gelernt zu verzichten und zu erkennen, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als er selbst, kurz: Er ist bereit, einem Ideal zu dienen.
Es drängt sich der Vergleich auf zwischen dem gemeinen Proletariat und dem edlen Aristokrat. Oder zwischen intelligentem Juden und dem primitiven Rest. Jedenfalls ist nicht verkennbar, dass der Autor die Herrschaft der Massen als nicht gerade zuträglich für die Kultur und Moral der Menschheit wertet. Dieses Buch bietet sicherlich eine Menge Stoff für Diskriminierung, aber eines lässt sich nicht leugnen: es gibt diese zwei Arten von Menschen!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 31. Dezember 2005 |